WiSe 16/17: Die Kulturinstitution Museum als Berufsfeld

Museen, Gedenkstätten und weitere ausstellende Institutionen bieten für Geisteswissenschaftler/-innen ein attraktives Berufsfeld, denn hier kann in vielfältigen Arbeitsbereichen das im Studium erworbene Wissen praktisch eingesetzt werden. Während des Seminars lernen die Studierenden ausgewählte museale Arbeitsbereiche, deren spezifische Aufgaben und konkrete Berufschancen, näher kennen. Anhand von Exkursionen an historische, kultur- und regionalgeschichtliche Berliner Museen sowie im Rahmen von Gesprächen mit Museumsfachleuten erhalten die Studierenden Einblicke in das Berufsfeld Museum. Darüber hinaus wird zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Ausstellungen als Abbildern gesellschaftlicher Wirklichkeiten angeregt. Die Exkursionen werden gemeinsam ausgewertet und dienen als Grundlage für die Projektarbeiten, in denen die Teilnehmer/-innen in Gruppen eigene, praktisch ausgerichtete Konzepte erarbeiten.

Das Seminar „Die Kulturinstitution Museum als Berufsfeld“ fand im Wintersemester 2016/17 am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin statt.


Berichte der Studierenden zum Seminarverlauf, zu Museumsbesuchen und zu den Fachgesprächen im Folgenden:


Werkstatt-Termin: Präsentation der ersten konzeptionellen Überlegungen

Am 6. Januar traf sich das Seminar in der Deutschen Kinemathek, um die ersten Ideen und Entwürfe der Projektgruppen zu diskutieren. Alle Gruppen haben gute und wirklichkeitsnahe Projekte erarbeitet, die intensiv diskutiert wurden, von einem Augmented Reality-Konzept als Ergänzung für die untere Etage der Dauerausstellung des DHM über eine neue Ausstellung im EG des Jugendmuseums, die als Modell im Schuhkarton präsentiert wurde, und eine Werbekampagne inklusive Kinder-Malwettbewerb für das Neukölln Museum bis zu einem neuen Workshopformat für die Abteilung Bildung des Jüdischen Museums. Alle Projektgruppen erhielten ein Feedback von Kommilitonen und Seminarleitern und haben jetzt Zeit, die Konzepte zu überarbeiten und zu finalisieren.


Exkursion: Deutsche Kinemathek mit Fachgespräch zu Kommunikation & Marketing

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Bericht von Rufina Kaehler, Sven Heins und Stephanie Elsner

Als vorerst letzte Exkursion unseres Seminars besuchten wir am 16.12.2016 die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen im Filmhaus am Potsdamer Platz (Potsdamer Straße 2), welche(s) somit relativ zentral in Berlins Mitte gelegen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen ist. Neben dem Museum beherbergt das neunstöckige Filmhaus auch die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), eine Bibliothek, einen Museumsshop, ein Restaurant und die zwei Säle des Kinos Arsenal – Institut für Film und Videokunst e. V.

Zu Beginn gab uns unser Dozent Jurek Sehrt, der hier am Hause für den Bereich Bildung und Vermittlung verantwortlich ist, eine Einführung in die verschiedenen Sektionen des Museums.

Das Filmhaus beherbergt – nicht zuletzt durch mehrere Archive wie u.a. ein Filmarchiv, ein Schriftgutarchiv und ein Fotoarchiv – insgesamt mehr Büro- als Ausstellungsfläche, die der Bewahrung sowohl des nationalen als auch internationalen Filmerbes gewidmet ist.

In Bezug auf unser heutiges Thema Kommunikation sprach Herr Sehrt die Wichtigkeit der Gestaltung der Fassade, der Innenräume und Wandflächen des Gebäudes bis hin zur Beklebung von Fensterscheiben und des Fahrstuhls an. Zudem wies er aber auch auf Probleme und Komplikationen bei der Umsetzung hin, die sich durch die Anordnung der Ausstellungsfläche um die Versorgungsstränge herum und die Trennung der Ebenen ergeben, so dass der Ausstellungsparcours z.T. über verschiedene Etagen verlaufen muss. Ein prägnantes Beispiel für mögliche Hürden beim Ausstellungsaufbau war der geschilderte Aufwand, der für das Aufhängen des nachgebildeten Satelliten eines James-Bond-Films betrieben wurde, welcher nun im Foyer zu sehen ist.

Im dritten Stock des Hauses führte uns Herr Sehrt durch die ständige Ausstellung zur deutschen Film- und Fernsehgeschichte, in der diese mithilfe verschiedenster Mittel, z.B. durch die Ausstellungsarchitektur, durch Bewegtbilder, Filmplakate etc. präsentiert wird. Zudem machte er uns auf die verschiedenen Aspekte der Ausstellung aufmerksam – im Hinblick auf die Elemente der Kommunikation, die man hier finden kann: die Leitsysteme, die durch die Ausstellung führen, die Reihenfolge der Ausstellungstexte und die Plakatierungen.

Sehr beeindruckend war ein fast nur aus Spiegeln bestehender Raum, der sich des Themas ‚Betrug des Auges‘ annahm. Auf einigen Leinwänden wurden tonlose Filmausschnitte präsentiert; durch die nahezu vollständig mit Spiegeln erfolgte Raumgestaltung konnte man sich an mehreren Orten zu mehreren Personen gleichzeitig denselben Film und auch weitere ansehen. Zudem wurde derart mit der Wahrnehmung des Besuchers gespielt, dass man das Gefühl hatte, links und rechts neben dem klar begrenzten Weg würde es hunderte Meter nach unten gehen, obwohl sich dort nur eine Fläche aus sauberen Spiegeln befand.

So wurden wir weiter durch die Ausstellung geführt, die sich in der Gestaltung der verschiedensten Medien bedient – von alten Röhrenfernsehern bis hin zu Touchscreen-Bildschirmen – und die Farben als wichtiges Element zum Kommunizieren der von Epochen abhängigen Stimmungen und Strömungen benutzt. Materialität und Ausstattung wurden jeweils passend zur Zeit gewählt und zeittypische Elemente wie z.B. Litfaßsäulen symbolhaft im Raum platziert. Hinsichtlich des Einsatzes von Touchscreens als Kommunikationsmittel wies uns Herr Sehrt auf die Problematik hin, dass der Ausstellungsbesucher den Touchscreen als solchen erst einmal bemerken und man auch Verschmierungen bedenken müsse, die durch dessen Benutzung entstehen.

Schließlich mussten wir uns ein wenig beeilen, sodass wir ein sehr beliebtes Objekt der Ausstellung leider nur noch von oben sehen konnten: einen originalen ‚Oscar‘. Dennoch haben wir insgesamt einen beeindruckenden Überblick über die Ausstellung erhalten.

Nun folgte das Fachgespräch mit der Leiterin des Bereiches Kommunikation, Frau Hollmann. Sie ist seit drei Jahren Leiterin der Abteilung Kommunikation, deren Tätigkeit sich aus mehreren Teilbereichen zusammensetzt: Vermittlung, Publikationen, Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit (dazu zählen Presse-, Marketing- und Onlineaktivitäten). Bei der früheren Arbeit der Abteilung überwog der Anteil an Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; mittlerweile ist diese durch vermehrte Publikationen gewachsen und insbesondere der Bereich social media gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Hauptanliegen der Kommunikation ist es, ein „Schaufenster nach außen“ zu sein und den (potentiellen) Besuchern die Aufgabe des Museums, welche in der Bewahrung des audiovisuellen Erbes liegt, mit all den dazugehörigen Aktivitäten wie Sammeln und Erschließen, zu präsentieren und zu vermitteln. Dabei ist es erklärtes Ziel der Abteilung, das Haus als Marke mit Wiedererkennungswert zu etablieren und die Besucherzahlen u.a. bei Ausstellungen zu steigern – und damit auch die Einnahmen zu vergrößern. So ist insbesondere das Bewerben von Ausstellungen des Hauses Inhalt und Aufgabe der kommunikativen Praxis, wobei jede Sonderausstellung noch als besondere ‚Unter-Marke‘ profiliert wird.

Als primäre Besucherzielgruppen sieht das Haus – wegen seiner zentralen Lage an einem Knotenpunkt des touristischen Verkehrs – vor allem Touristen; als wichtiger Partner konnte ‚Visit Berlin‘ gewonnen werden, der Gruppenreisende als mögliche Multiplikatoren in die Ausstellungen bringt. Weitere Zielgruppen sind Schulklassen, Studenten, Wissenschaftler und auch die Bewohner der Stadt. Die sekundären Zielgruppen sind alle möglichen Multiplikatoren: Journalisten, Reiseverbände und Tourismusmarketing, Lehrer, andere Museen und Fachverbände. Auch Sponsoren zählen zu den Multiplikatoren, allerdings konnte hier bisher als einziger Sponsor nur OSRAM gewonnen werden, dessen Bezug zum Haus über die Herstellung der Film- und Kameraausleuchtung gegeben war.

Die Kommunikations- und Werbemaßnahmen für das Haus sind finanziell relativ niederschwellig: Broschüren, Plakate, die eigene Internetpräsenz sowie social media und Messebesuche. Für (Sonder-)Ausstellungen gibt es gesonderte Etats zur gezielten Werbung. Dies ist als mittelmäßige Finanzierung einzuschätzen, so dass man zur Aufstockung oder Entlastung des Etats auf Kooperationen oder Sponsoring angewiesen ist. Die Gewinnung von Kooperationspartnern erfolgt nicht durch eine eigene Abteilung Sponsoring; Akquise kann bisher nur punktuell betrieben werden. Die meisten Kontakte in diesem Bereich stellen sich durch verschiedene Netzwerke her. Als wichtigster Kooperationspartner wird die Firma WALL genannt, welche z.B. Stelen mit mannsgroßen Plakaten zur Werbung für eine Kinderausstellung im Stadtgebiet aufstellte, was einem sehr hohen Mediawert entspricht, den das Museum selbst so nicht finanzieren könnte. Der Handlungsspielraum der Werbemaßnahmen wird auch durch die Gewinnung von Medienpartnerschaften erweitert. Medienpartner gelten als wichtige Multiplikatoren. Zwar bekommt man nur noch rabattierte Anzeigen, dafür aber auch viel zurück wie z.B. Berichterstattung, Stopper im Veranstaltungskalender, redaktionelle Begleitung, Unterstützung bei der Vermittlung in Berliner Grundschulen u.ä. Besonders erfolgreich im Berliner Raum scheinen Radiosender als Medienpartner zu wirken – laut Aussage von Frau Hollmann funktioniert Radiowerbung sehr gut. Derartige Medienpartnerschaften werden über komplexe Verträge geregelt: Als Gegenleistung für z.B. Radio-Features oder Spezialsendungen aus dem Museum muss dieses dann Führungen für Hörer des Senders bieten oder dessen Logo präsentieren.

Klassische Werbung für das Museum und dessen Ausstellungen wie z.B. die Stadtplakatierung und die Verteilung von Flyern über den professionellen Flyer-Distributeur Dinamix funktioniert laut einer Besucherbefragung immer noch gut, was konkret heißt, dass diese Werbung von mehr als 20% der Besucher im Stadtraum wahrgenommen wurde. Auch Werbung im Social-Media-Bereich (Facebook, Twitter) ist recht erfolgreich. Eine zielgruppenspezifische Öffentlichkeitsarbeit für die Ausstellung ist durch Teilnahme an Messen wie der ITB, an Aktionstagen wie dem Weltkindertagsfest oder im Rahmen der Ferienpässe Berlin und Brandenburg möglich.

Auf die Gewinnung internationalen Publikums zielen insbesondere Sonderausstellungen mit internationalem Thema, wie z.B. auch diejenige zu Ken Adam’s Filmdesign konnte aus Kooperationen ein zusätzlicher, relativ hoher Mediawert eingeworben werden. Neben der klassischen Plakat- und Flyerwerbung wurde hier auf weitere marketingspezifische Maßnahmen gesetzt: Durch Sponsoring konnte ein Werbetrailer in den Yorck-Kinos und – verkürzt – im ,Berliner Fenster‘ aller Berliner U-Bahnlinien geschaltet werden; es wurde frühzeitig durch hausinterne Kanäle geworben und angekündigt, mit Fan-Clubs kooperiert und eine Kultur-Ticket-Kooperation mit der Deutschen Bahn eingegangen.

Vor derartigen Sonderausstellungen ist nach Auskunft von Frau Hollmann die Arbeitsdichte besonders hoch. Sehr selten hat man 1 Jahr Vorlauf vor Ausstellungsbeginn, oft sogar nur etwa 3 Monate. Der ‚Startschuss‘ ist jeweils ein Teammeeting der Abteilung Kommunikation, das in der Folgezeit unter hohem Zeitdruck eng mit dem Kuratorenteam zusammenarbeitet. Ein nicht leicht zu bewältigender Spagat ist dabei der Umstand, dass die Abteilung Kommunikation recht schnell recht viel Material und Informationen herausgeben möchte, wofür die Kuratoren gern größeren zeitlichen Spielraum hätten.

Hiermit war nun nahtlos die Überleitung zu den möglichen Berufsfeldern in der Abteilung Kommunikation gelungen. Frau Hollmann sagte , es gebe in ihrem Arbeitsbereich 4 feste Stellen. Dazu kommen 3 Redakteure, die auch alle Marketingsachen (Flyer, Plakate) redigieren, und 10-15 Freischaffende für die Umsetzung. Nicht möglich sei es, diese Freischaffenden in Vollzeit zu beschäftigen, so dass diese meist für mehrere Häuser arbeiten.

Frau Hollmann hat zunächst Angewandte Medienwissenschaften in Ilmenau studiert. Ihr war schon früh klar, dass ihr Interesse dem Marketing/ Kommunikation gilt. Sie riet, dass ehrenamtliche Mitarbeit auch hilfreich sein könnte beim Einstieg in ein Berufsfeld und sich auch in Bewerbungen gut macht. Abschließend gab uns Frau Hollmann Ausblicke auf die weitere Marketing-/ Kommunikationsarbeit der Deutschen Kinemathek, die in der Einführung eines Besucherleitsystems, in Befragungen der Besucher, Online-Tickets und vermehrten Auftritten auf Messen bestehen soll.


Exkursion: Jüdisches Museum und Fachgespräch zu Bildung und Vermittlung

Bericht von Friederike Allner und Amber Kok

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Im Rahmen des Seminars besuchten wir am 9. Dezember 2016 das Jüdische Museum Berlin, ein im Stadtteil Kreuzberg gelegenes Museum, das sich schwerpunktmäßig mit Deutsch-Jüdischer-Geschichte auseinandersetzt.

Beim Betreten des Museum passierte man zuerst eine Sicherheitsschleuse, die als Schutz vom BKA zwingend vorgeschrieben ist. Um diesen ersten Eindruck des Besuchers umzuformen und positiver zu gestalten, wird stets ein Mitarbeiter vor dem Eingang postiert, der vorab mit dem Besucher in Kontakt treten soll.

Frau Petersen, die Leiterin des Bereichs „Bildung und Vermittlung“, nahm uns in Empfang und referierte kurz über Hintergrunddaten des Hauses. Als eine Bundes-Stiftung untersteht das Museum dem Staatsministerium für Kultur und Medien und finanziert sich zu dreiviertel über dieses. Weswegen die offizielle Bezeichnung Stiftung des Jüdischen Museums Berlin lautet. Das restliche Drittel wird durch Spenden oder hauseigene Einnahmen erwirtschaftet. Bundesweit und international genießt das Museum enormes Prestige und weist sehr hohe Besucherzahlen auf. An manchen Tagen gibt es bis zu 50 verschiedene Angebote für Besucher, welche durch den Bereich der Bildung und Vermittlung konzipiert werden.

Um zu dem Thema der aktuellen Sonderausstellung ‚Golem‘ überzuleiten, konfrontierte uns Frau Petersen zunächst mit der Frage, was eigentlich ein Golem ist, was seine Aufgaben darstellen und wie er erschaffen wird.

Die Ausstellung, die sich weniger als eine historische, vielmehr als eine Kunstausstellung begreift, befindet sich im Schnittfeld zwischen Religion, Mythos und moderner Rezeption. Sie ist im Altbau beheimatet, der auch den Eingang in den berühmten Libeskind-Bau bildet.

Um den Blick für das „Werden“ einer Ausstellung zu schärfen, sollten wir im Laufe der Führung auf Museumsberufe achten, die für die Konzeption und Umsetzung einer solchen Ausstellung notwendig werden.

Frau Petersen gab uns eine informative Führung zu ausgewählten Kunstwerken, lieferte Hintergrundwissen und ordnete die Objekte in den narrativen Zusammenhang ein. Insgesamt ist die Ausstellung in acht Bereiche unterteilt, welche sich mit verschiedenen Schnittfeldern des Golem-Mythos auseinandersetzen. Der erste Raum beinhaltet eine gegenwartsbezogene Einführung, leitet dann über in den nächsten Bereich ‚Jüdische Mystik‘, der sich mit der Entstehungsgeschichte der Golemfigur auseinandersetzt, und führt weiter in die Bereiche drei und vier ‚Transformation/Verwandlung‘ und ‚weiblicher Golem‘. Im fünften Bereich ‚Mythos Prag‘ wird die im Prag des 16. Jahrhunderts verankerte Sage über Rabbi Löw behandelt. Darauf folgt der Schwerpunkt ‚Horror und Magie‘, welcher besonders die Rezeption des Golems im Film herausarbeitet und eine Filmcollage beinhaltet, die deutlich die ambivalente Funktion des Golems hervorhebt. Raum sieben erläutert die zerstörerische Seite des Golems (‚Außer Kontrolle‘) und leitet über in den letzten Bereich ‚Doppelgänger‘, der einen aktuelle Bezug zu moderner Robotertechnik zieht und somit an den Anfang der Ausstellung anschließt.

Nach der Führung wurde in einer Gesprächsrunde und einem abschließenden Spiel in der gegenüber des Altbaus liegenden „W. Michael Blumenthal Akademie“, einer ehemaligen Blumengroßmarkthalle, über die Ausstellung reflektiert. Dieses Gebäude enthält eine Bibliothek mit einem öffentlichen Lesesaal, ein Archiv und mehrere Seminarräumen, in denen Workshops für Kinder und Erwachsene abgehalten werden.

Die Museumsberufe, die uns während der Ausstellung aufgefallen sind, wurden zusammengetragen und besprochen, unter anderem der Beruf des Galerist und der des Lichtdesigner.

Abschließend stellte Frau Petersen den Ablauf der Ausstellungskonzeption und die Rolle der Abteilung „Bildung und Vermittlung“ in diesem Prozess dar, wobei sie bemerkte, dass dieser Bereich häufig erst spät in die Konzeption einbezogen würde, bei der Relevanz des Erfolgs der Ausstellung aber eine wesentliche Rolle spiele. Die neue Dauerausstellung, die derzeit in Planung ist, wird darauf voraussichtlich mehr Rücksicht nehmen.

Die Abteilung bietet mehrere Programme und Workshops für Gruppenbesucher, darunter auch das Programm „Outreach – on.tour“, eine mobile Ausstellung, die bundesweit mit Schulen zusammenarbeitet und vor Ort temporär verweilt. Besonders zu gesellschaftlich relevanten Themen wie Identität, Diskriminierungen, Multireligiösität oder Antisemitismus gibt es Workshops, die häufig praktisch orientiert sind und eine perspektivübergreifende Komponente beinhalten. So leistet das Museum durch Bildungsarbeit einen wichtigen Beitrag in der Wechselbeziehung zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Kultur und versteht sich als Ort der Begegnung.


Exkursion: Jugendmuseum Schöneberg und Fachgespräch zu Ausstellungen

20161202_113500Exkursionsbericht von Susan Scheyda:

Am 2. Dezember 2016 besuchten wir das Jugend Museum Schöneberg in der Hauptstraße 40/42, Berlin.

Der Besuch fand unter dem Aspekt der Ausstellungskonzeption statt.

Sehr herzlich wurden wir von der Diplom- und Theaterpädagogin Ellen Roters, von Dr. Irene von Götz, sie ist Historikerin und Kuratorin, und der derzeitigen FSJlerin empfangen. Neben ihnen als freie Mitarbeiterinnen besteht das Team insgesamt aus der Museumsleiterin Petra Zwaka, der Geschäftsführerin Pegah Mehravar, der Projektassistentin Carolin Staab, der Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Brigitte Garde und der Mitarbeiterin für das Archiv Tempelhof-Schöneberg Veronika Liebau als Festangestellte. Hinzu kommen weitere freie Mitarbeiter_innen und die Wissenschaftliche Voluntärinnen Marie Becker und Sophie Buchholz.

Das Jugend Museum ist kein „typisches Objektmuseum“, sondern vielmehr ein Ort für Kommunikation und Austausch. Es basiert auf Modellprojekten und Workshops und richtet sich hauptsächlich an Kinder- und Jugendgruppen. Erwachsene finden den Weg eher über ihre Kinder in das Museum oder durch die Wechselausstellungen, die nicht explizit für ein jüngeres Publikum konzipiert sind. Aktuell findet die Wechselausstellung Voices of Help von Paul Brody statt, die anhand von Interviews und Klanginstallationen bürgerschaftliches Engagement in Schöneberg dokumentiert.

Das 1995 gegründete Jugend Museum gehört gemeinsam mit dem Schöneberg Museum und dem Tempelhof Museum zum Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und befindet sich mit dem Schöneberg Museum und dem Archiv für die Geschichte von Tempelhof und Schöneberg unter einem Dach. Den Ursprung des Museums bildete das Heimatmuseum Schöneberg von 1976, dass sich im Haus am Kleistpark befand. Den Grundstock für die Sammlung bildeten die seit den 50er Jahren ehrenamtlich gesammelten Dokumente zum Bezirk. Anfang der 80er-Jahre veränderten sich das Geschichts- und Heimatverständnis und somit auch die Aufgabe der Heimatmuseen. Nicht mehr ein ethnisch definiertes, romantisiertes und unkritisches Bild von Heimat sollte gezeigt, sondern getreu dem Motto „Geschichte von unten“ die im Bezirk lebenden Menschen, ihre Hintergründe und Lebensverhältnisse thematisiert werden.

Insbesondere aufgrund der rassistischen Übergriffe auf Asylbewerberheime Anfang der 90er-Jahre sah die heutige Leiterin des Jugendmuseums die Museen in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und dahingehend als Kulturinstitution Aufklärungsarbeit für Kinder und Jugendliche zu leisten, wie Frau Roters uns erklärte. Nun wurden aktuelle Diskurse, beispielsweise zum Thema Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung auf ein junges Publikum zugeschnitten und in Form von Workshops und Projekten behandelt. Die Museums-, Theater- und Medienpädagogische Projekte des inzwischen in Schöneberg Museum umbenannten Heimatmuseums waren sehr erfolgreich, sodass 1992 die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung beschloss, ein Jugendmuseum eröffnen zu lassen.

1994 wurde die Gründerzeitvilla am heutigen Standort bezogen.

Es entstand das dreijährige Modellprojekt Heimat Berlin. Migrationsgeschichte für Kinder, in dessen Rahmen Theaterprojekte, Rollenspiele und viele andere Workshops rund um das Thema Vielfalt und Migrationsgeschichte angeboten wurden. Frau Roters betonte, dass man auf diese Art und Weise besonders gut mit den Kindern ins Gespräch kommen kann.

Der Verlauf und die Ergebnisse sind im Aktionsraum im Erdgeschoss durch kurze Filme und Texte dokumentiert.

In Ergänzung und als Abschluss des Modellprojektes ist im Obergeschoss die Dauerausstellung Villa Global The Next Generation entstanden. Dort können die Besucher­_innen 14 Zimmer von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, sowie verschiedener kultureller und religiöser Hintergründe besuchen. Die Zimmer wurden mithilfe der teilnehmenden Personen eingerichtet und dekoriert. Sie demonstrieren und vermitteln die Vielfalt der in der Stadt lebenden Menschen über eine intime und vertraute Ebene. Wir erfuhren, dass das Konzept dieser Ausstellung bereits 2003 entstanden ist, allerdings im Rahmen des Modellprojekts Heimat Berlin überarbeitet wurde. Während damals versucht wurde, über die Kultur den Zugang zu finden, wird in der heutigen Villa Global der Fokus auf die Vielfalt gelegt. Nicht die kulturelle oder religiöse Zugehörigkeit sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die individuellen Persönlichkeiten mit ihren Hobbys, Interessen und Wünschen, um dadurch die Vielfältigkeit jenseits von Klischees und Stereotypen darzustellen.

Eine weitere Dauerausstellung, Wunderkammer und Wunderkisten befindet sich im Untergeschoss. Die Wunderkammer besteht aus verwinkelten Räumlichkeiten, in Anlehnung an die damaligen fürstlichen Wunderkammern des 16. Jahrhunderts, den Vorläufern heutiger Sammlungen und Museen. Hier werden die Exponate dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes begreiflich gemacht, denn bis auf wenige Ausnahmen kann man die aus zwei Jahrhunderten und aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammenden Objekte in die Hand nehmen und untersuchen. Sie erzählen Regional- und Sozialgeschichte des Bezirks Schöneberg. Dahinter steht das Konzept des forschenden Lernens. Die Besucher­_innen, darunter viele Schulklassen lernen den Respekt im Umgang mit (musealen) Objekten aus vergangener Zeit und können auf interessantem Wege erforschen, welche Geschichte die Dinge schreiben. Außerdem lernen sie auf diese Weise, die vier Haupttätigkeiten eines Museums kennen: Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln. Dafür begeben sich die Schüler_innen beispielsweise in einem Rollenspiel auf eine Zeitreise und müssen spielerisch herausfinden, wofür die Gegenstände einst gebraucht wurden, umgekehrt sollen aber Gegenstände aus der heutigen Zeit den fiktiven Personen aus der Vergangenheit näher gebracht werden. Noch spannender wird das Ganze durch die Wunderkisten im Kellerarchiv gestaltet. Wenn bei der Beschreibung eines Objektes aus der Wunderkammer eine kleine Kiste dazu gezeichnet ist, weist das darauf hin, dass es nebenan im Kellerarchiv eine weitere Kiste mit passenden Gegenständen und dazugehörigen Fragen zu entdecken gibt. Ergänzend befindet sich in Untergeschoss auch das historische Archiv, das kindgerecht aufbereitet ist. Auf diese Weise werden mehrere Ebenen geschaffen, auf denen sich die Besucher_innen, je nach eigenem Interesse eher oberflächlich oder vertiefend, mit bestimmten Themen der Bezirksgeschichte auseinandersetzen können. Kindergruppen und Schulklassen werden dabei immer pädagogisch begleitet. Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, die Geschichte zu den erforschten Dingen durch ein Theaterspiel in die Gegenwart zu transportieren. Der gut ausgestattete Theaterfundus bietet viele Requisiten für diesen Zweck an.

Im Gespräch erfuhren wir zudem, dass die Texte im Museum einfach, aber gehaltvoll und somit für Jung und Alt ansprechend sein sollen. Auf die Frage, ob es ein Anliegen des Jugend Museums sei, mehr Familien anzusprechen, antwortete Frau Götz, dass der Schwerpunkt auf der Arbeit mit den erfolgreichen Workshopkonzepten liege, aber zusätzlich Familiensonntage angeboten würden. Aktuell wird auch vermehrt mit geflüchteten Menschen und Familien gearbeitet.

Zudem bietet das Museum zwei mobile Geschichtslabore an, die von Schulen ausgeliehen werden können und von Mitarbeiter­_innen des Museums betreut werden. Das Geschichtslabor Mobil 1 beschäftigt sich mit dem Nationalsozialismus und das Geschichtslabor Mobil 2 ist zum Thema Teilung Berlins und dem Mauerfall konzipiert.

In der Abschlussrunde haben wir außerdem gehört wie wichtig es ist, bei der Entwicklung eines Ausstellungskonzeptes von vornherein alle beteiligten Berufsgruppen miteinzubeziehen. Im Wesentlichen sind es im Jugend Museum die Kuratorin, die Gestalter_innen und die Museumspädagog_innen, die bei der Entwicklung eines Konzepts zusammenarbeiten.

Je nach Ausstellungstyp sind allerdings unterschiedlich viele Personen beteiligt. Es gibt jeweils ein Team für die Dauerausstellungen und ein Team, das sich um die wechselnden Sonderausstellungen kümmert. Pro Kernteam sollen wir von fünf Mitarbeiter_innen ausgehen, die die Bereiche Inhalt, Gestaltung, Pädagogische Vermittlung, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit vertreten.

Mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen verabschiedeten wir uns vom Jugend Museum in Schöneberg, das eine erstaunliche und bewundernswerte Arbeit im Hinblick auf ein respektvolles Miteinander der in der Stadt und in Schöneberg lebenden Menschen leistet.


Exkursion: Museum Neukölln und Fachgespräch zu Multimedia

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Exkursionsbericht von Arvid Peschel und Jennifer Mollenauer:

Am 25. November 2016 besuchte unser Seminar das Museum Neukölln, welches als Regionalmuseum bis vor einigen Jahren noch „Heimatmuseum“ hieß. Seine Ausstellungsräume befinden sich heute in einem ehemaligen Pferdestall des alten Guthofes Britz. Durch die Nähe zum gleichnamigen Schloss und außerhalb des Berliner S-Bahnrings gelegen, ist es in eine besondere historische Atmosphäre eingebettet.
Das Museum beherbergt neben der Dauerausstellung „99x Neukölln“ auch zwei Sonderausstellungen im Jahr. Regionalgeschichtlich Interessierte können zudem den sogenannten „Geschichtsspeicher“ im Dachgeschoss als offenes Archiv nutzen. Das lädt zur vertiefenden Recherche ein und wird auch von Schulgruppen für Projektarbeiten genutzt. Darüberhinaus bietet die Website der Institution einige Möglichkeiten zum Kontakt und zur Teilhabe am Museumsgeschehen.

Der Leiter des Museums, Herr Dr. Udo Gösswald, begrüßte die Gruppe vor Ort persönlich und führte in die Besonderheiten des Ortes und der Dauerausstellung ein. Anhand der interaktiven Multimedia-Terminals, die an allen Vitrinen analoge Texttafeln ersetzen, demonstrierte Herr Gösswald das moderne Konzept seines Museums. Hier werden 99 Objekte ausgestellt, die die Geschichte Neuköllns je mit der subjektiven Geschichte seines Stifters oder seiner Stifterin erzählen. Der Zugang über die Objekte ermöglicht es, immer tiefer in deren Geschichte vorzudringen. Je tiefer die Betrachtungen reichen, umso größere, sozialgeschichtliche Themenstränge werden auch verhandelt. Themen wie Alltag, Armut, Industrie, Migration und Integration finden sich in einzelnen Austellungsstücken wieder. Ein Tropenhut erzählt etwa erst von seinem Besitzer, dem Bauunternehmer Franz Körner und dessen archäologisch interessierten Reise nach Ägypten. Über die multimediale Aufbereitung verzweigt sich dessen Geschichte und wird schließlich zur Informationsquelle über das Neuköllner Großbürgertum, die deutsche Kolonialgeschichte und die Entstehungsgeschichte des heute noch existierenden Körnerparks. Eine von Rixdorfer Ofenbauern eingemauerte Bierflasche ist Zeitzeugin eines Handwerks und seiner Alltagspraxen. Und bietet sich außerdem als Zeitdokument der Neuköllner Brauereiindrustie und -kultur an.

Die multimediale Aufbereitung nimmt in diesem Ansatz eine große Rolle ein. Im Ausstellungsraum wirken neben den Objekten auch die größeren Bildschirme. An jeder Vitrine ist ein eigener Bildschirm angeschlossen. Diese digitalen Objektschilder sind um die Objekte herum drehbar oder bewegbar und interaktiv. Besucher und Besucherinnen können die Bildschirme direkt vor das Objekt der Wahl bewegen und über die berührungsempfindliche Oberfläche die Inhalte abrufen. Neben der engeren Objektgeschichte ermöglicht es die Multimediapräsentation, weiterführende Informationen, Film- und Fotomedien im „Wissensnetz“ und „Superwissensnetz“ abzurufen, Interviews mit Objektbesitzerinnen und -besitzern unter „Story“ zu lesen, einen Wissenstest unter „Quiz“ zu absolvieren und Verweise im offenen Archiv wiederzufinden. Sollten die Bildschirme an den Schaukästen belegt sein, bieten Computerarbeitsplätze und ein großer, zentraler Bildschirm die gleichen Möglichkeiten zur Recherche an.

Über die Computer kann die Regionalgeschichte zudem über einen Thesaurus noch anders erlebt werden. Neben dem bereits vorgestellten Zugang über die eigentlichen Objekte bzw. Objektbilder, lässt er mit der Auswahl über Jahreszahlen und Straßen- oder Platznamen auch andere Zugänge zur Regional- und Exponatsgeschichte zu.
Das gesamte Multimediakonzept ist eigens für das Haus entwickelt worden und ist nahtlos auf allen Geräten verfügbar. Die Website des Museums versteht sich als ergänzendes Angebot, auf der Gäste ihre persönliche Eindrücke zu einzelnen Objekten in einem sogenannten „MyStory“-Format einreichen können. Diese finden sich dann häufig auch als Einträge im System der Ausstellung wieder. Das unterstreicht insgesamt den partizipativen und multimedialen Ansatz, den das Museum zusammen mit den Bewohnern und Bewohnerinnen Neuköllns pflegt.
Nach dem Besuch der Ausstellung führte uns Herr Gösswald durch den Geschichtsspeicher und die Arbeitsräume des Museumsteams. Im Anschluss fand schließlich noch ein gemeinsames Fachgespräch mit reger Anteilnahme statt. Neben dem Berufseinstieg, der Realisation der Ausstellungen und den Arbeitsbereichen im Haus wurden hierbei auch verschiedene Aspekte des Museumskonzept gesondert besprochen.
Wir erhielten hierbei einen tieferen Einblick in die Erfordernisse und Mitwirkungsmöglichkeiten eines modernen Regionalmuseums. Zur Mitarbeit zum Beipiel über Praktika wurden wir eingeladen. Gleichzeitig wurde klar, dass im Museum aufgrund seines Profils vor allem AbsolventInnen der Public History oder Europäischen Ethnologie gefragt sind.

Im Museum Neukölln wird das Verhältnis von Menschen und ihren persönlichen Objekten besonders herausgestellt. Das Haus ruft Neuköllner und Neuköllnerinnen zur Stiftung regionalgeschichtlicher und persönlicher Objekte auf, sofern die Artefakte persönliche Geschichten und Hintergründe in sich bergen. Diesen Anspruch erkennt man in der Auswahl der derzeitigen 99 Objekte. Jedes kann anderen Gästen des Hauses Anknüpfungspunkte bieten. So werden kommunikative Räume im Museum geöffnet, die durch das Multimediasystem ergänzt und für verschiedene Zielgruppen gleichermaßen interaktiv aufbereitet werden.


Exkursion: Deutsches Historisches Museum und Fachgespräch zu Ausstellungswesen/ Kuration

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Exkursionsbericht von Mujan Rasuli:

Am 11. November 2016 traf sich die Seminargruppe im Deutschen Historischen Museum, um sich die ständige Ausstellung anzuschauen, die rund 1500 Jahre deutscher Geschichte wiedergibt. Hierbei sollten wir die Möglichkeit haben, einige grundlegende Informationen zu Aufbau und Gestaltung von Ausstellungen zu erhalten.

In der ersten Hälfte der Exkursion unternahmen wir gemeinsam einen Rundgang durch die Ausstellung und erhielten von den Dozenten einige wichtige Informationen zu dieser. Anschließend trafen wir uns zu einem Gespräch mit einer Kuratorin des Museums, Frau Jüllig. Gleich zu Beginn des Rundganges erklärte uns Herr Sehrt, dass auch Dauerausstellungen nicht unwandelbar sind. So hat sich auch der Eingangsbereich der Ausstellung zur deutschen Geschichte des DHM seit seiner Entstehung verändert. Wir erfuhren, dass eine Schwierigkeit in Geschichtsausstellungen darin liegt, einen bestimmten Zeitraum zur Wiedergabe eines Geschehnisses festzusetzen. So stellt sich die Frage, ab wann man beginnen möchte zu erzählen, wenn man ein bestimmtes Ereignis thematisiert (siehe auch Foto: Meilenstein, zeigt Chronologie zu einem bestimmten Bereich). Es wurde festgehalten, dass Texte von zentraler Bedeutung in Ausstellungen sind. So gibt es neben den Eingangstexten (siehe auch Foto), Bereichs- und Raumtexte, sowie Texte zu bestimmten Objekten. Herr Sehrt erklärte uns, dass der Besucher in den Raumtexten in der Regel Informationen erhalten möchte, die er später mit den Objekten abgleichen kann, wobei die Objekttexte Informationen über das spezielle Objekt geben sollten und somit nicht allgemein gehalten sein dürfen. Eine Schwierigkeit in der Auswahl der Texte besteht wiederum in der Aufgabe, eine große Bandbreite des Publikums abzudecken. Es stellt sich auch die Frage nach der Informationsmenge. Die Dozenten wiesen auch darauf hin, dass es kaum möglich ist, sich während eines Museumsbesuches alle Objekte anzuschauen. So komme es häufig vor, dass gerade Objekte im Eingangsbereich der Ausstellung viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wir erfuhren weiterhin, dass es für den Besucher in Bezug auf ein Objekt von Bedeutung ist, warum speziell dieses ausgewählt wurde und welcher Entstehungskontext mit dem Ausstellungsstück verbunden ist. Der Text kann hier nähere Informationen geben. An dem Ausstellungsstück Hitlers Schreibtisch (siehe auch Foto) wurde angesprochen, dass es häufig schwierig ist, ein Objekt mit einer Person zu verbinden. Der Text kann hier einen Bezug herstellen, indem er näher beschreibt, was an dem Objekt charakteristisch für die Person ist. Während unseres Rundgangs konnten wir weiterhin feststellen, dass audiovisuelle Medien nur sehr selten in der ständigen Ausstellung zur deutschen Geschichte des DHM eingesetzt werden. Die Dozenten sprachen auch an, dass Authentizität im Museumsbetrieb eine große Rolle spielt und Besucher deswegen Kopien häufig ablehnen. Wir erfuhren auch, dass die Aufstellung von Objekten zu den Laufwegen der Besucher in einer Ausstellung nicht zufällig ist, sondern immer eine bestimmte Absicht mit ihr einhergeht. Während unseres Rundgangs gingen wir auch am teuersten Ausstellungsstück der Dauerausstellung entlang (siehe Foto Pokal). Herr Sehrt informierte uns darüber, dass viele Objekte auf Grund ihres ideellen Wertes gar nicht versicherbar sind, und dass manche Objekte dadurch einen hohen Wert erfahren, dass sie nur selten vorhanden sind (siehe auch Foto: Kleidung Friedrich des Großen).

Durch die ständige Ausstellung des DHM mit seinen verschiedenen Objekten führte uns ein Hauptweg, der wiederum mehrere Bereiche hat. Es wurde erklärt, dass die Anlegung des Weges sich auch nach der Architektur des Hauses mit seinen Möglichkeiten und Einschränkungen richtet. Innerhalb der verschiedenen Zeitspannen der ständigen Ausstellung des DHM, die wiedergegeben werden, ändert sich auch die Optik des Raumes, beispielsweise seine Farbgestaltung. In Bezug auf die Ausweitung der ständigen Ausstellung, sahen wir auch die Herausforderung, sich zu entscheiden, wieviel Raum man etwas gibt und so hatten wir den Eindruck, dass bestimmte Bereiche auch manchmal zu kurz kamen. Schließlich wurde festgehalten, dass Geschichte auch immer nur durch jemanden erzählt wird und somit immer die Perspektive einer oder mehrerer Personen ist.

Im abschließenden Fachgespräch mit detr Kuratorin Frau Jüllichwurde betont, dass es schwierig sein kann, der Aufgabe einer Dauerausstellung gerecht zu werden, weil hohe Erwartungen an sie geknüpft sind. Weiterhin ist es auch nicht immer möglich, den Interessensschwerpunkt aller Besucher zu bedienen. Die Kuratorin stellte uns auch ihren persönlichen Werdegang vor und informierte darüber, dass die Anforderungen an Bewerber für Museumsberufe in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Insgesamt werde heutzutage eine deutlich höhere Qualifikation erwartet.

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